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Ehrlichkeit siegt

Ehrlichkeit siegt

Viele Menschen fürchten, verfängliche Facebook-Einträge könnten ihre Karriere gefährden. Doch wer so denkt, führt schnell ein Doppelleben. Auf unseren Tischen stapeln sich zurzeit Bücher zum Thema Social Media. Die meisten beschäftigen sich mit Fragen wie: Wann profitieren Unternehmen am stärksten von einer Präsenz auf Facebook? Soll der CEO twittern? Gehören die Bilder von der Firmenparty ins Netz?

Was soll das? Am Wochenende die Sau rauslassen, und dann am Montagmorgen den seriösen Geschäftsmann mimen? Dieser Haltung kann ich nichts abgewinnen. Ich will wissen, wer meine Mitarbeiter sind, und ich will wissen, wen ich einstelle. Wenn mir Facebook hilft, einen Kandidaten besser kennenzulernen, so ist das hilfreich. Ich finde es nützlich zu erfahren, ob eine Bewerberin möglicherweise eine Bonsai-Fanpage pflegt – sie wird dann sicherlich auch ihre Arbeit gewissenhaft machen. Oder ob ein Bewerber Susaphon spielt – er hat sicher keine Angst vor dem großen Auftritt, und teamfähig ist er auch. Ob jemand gerade einen Porsche geleast hat – vielleicht nicht ideal für die Buchhaltung. Oder ob ein anderer Karaoke-Videos ins Netz stellt – er könnte eine super Stimme für den Kundenservice per Telefon haben. Solche Dinge sagen oft viel mehr aus als ein offizieller Lebenslauf.

Menschen suche ich, nicht die Schauspieler.

Ich habe Angst vor Zeitgenossen, die Angst vor ihrem Facebook-Profil haben.

Jemand hat sein Wirtschaftsstudium abgebrochen? Also gut, immerhin hat er den Mut, seinen Weg – wenn nötig – zu korrigieren. Jemand wird von seinen Fußballkollegen als Grobian verunglimpft? Alles, was recht ist, aber in harten Verkaufsverhandlungen muss ein Mitarbeiter auch einmal mit harten Bandagen kämpfen können.

Selbst offensichtliche Fehler, Niederlagen und Peinlichkeiten müssen einer ehrlichen Person nicht zum Nachteil gereichen. Gerade in schwierigen Situationen zeigt sich, wer Charakter hat, wer zu sich, seinem Leben und seinem Wort steht. Auf die Palme bringen mich Fälle wie der des zurückgetretenen deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff, des wegen Devisengeschäften ausgeschiedenen Präsidenten der Schweizer Nationalbank, Philipp Hildebrand, des Ex-Verteidigungsministers Karl Theodor zu Guttenberg oder des ehemaligen Chefs der Deutschen Post, Klaus Zumwinkel. Nicht, weil diese Führungskräfte Fehler begangen haben. Das tut jeder. Mir sind aber Menschen suspekt, die versuchen, ein perfektes Saubermann-Image zu pflegen. Und die dann, wenn ihnen ein Fehler unterlaufen ist, nicht dazu stehen wollen oder dies nur nach extremem Druck von außen tun. Schlimm sind oft nicht die Verfehlungen, sondern die Vertuschungen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass manche der Genannten, die zurücktreten mussten, weiterhin einen guten Job machen würden, ja, dass sie sogar ihren Posten hätten behalten können – wenn sie von Anfang an für ihre Fehler geradegestanden hätten. Es ist ja durchaus nicht so, dass immer die besten Leute die weißeste Weste haben. Der britische Premierminister Winston Churchill beispielsweise war ein ausgebuffter Kerl. Hehren ethischen Idealen begegnete er ziemlich pragmatisch, um es einmal vorsichtig auszudrücken. Als Gegenspieler Adolf Hitlers war er aber genau der Richtige.

Worauf es ankommt

Heute besteht die Gefahr, dass wir vor lauter Sauberkeitswahn die zentralen Fragen aus den Augen verlieren: ob ein Kandidat Rückgrat hat und für seine Aufgabe wirklich geeignet ist. Das ist es, was zählt.

Deshalb messe ich Menschen nicht an den Fehlern, die sie möglicherweise gemacht haben, sondern an den Ergebnissen, die sie liefern. Deshalb will ich wissen, wer sie sind, welche Eigenschaften sie mitbringen und welche nicht. Nur so kann ich ihnen die richtigen Aufgaben geben, nur so weiß ich, ob sie diese überhaupt erfüllen können. Das bedeutet, sowohl bei Bewerbungen als auch im Alltag: kein Doppelspiel, keine Heimlichtuereien, Falschheiten oder Intrigen. Stattdessen Offenheit, Ehrlichkeit, Mut. Das sind wertvolle Eigenschaften, ganz egal, was jemand erreicht oder verpatzt hat. Das sind die Dinge, die eine künftige Elite auszeichnen, so wie ich sie mir vorstelle.

 

Geschrieben von: Andreas Buhr

Andreas Buhr, die "Umsatz-Maschine“, ist einer der bekanntesten Speaker im Bereich Führung und Vertrieb. Der Experte für VertriebsIntelligenz® und ©lean leadership ist Vollblutunternehmer und erfolgreicher Trainer, Buchautor, Referent und Inhaber Buhr & Team Akademie für Führung und Vertrieb AG.
Webseite: http://www.buhr-team.com/

 
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